ADHS – Was bedeutet das?

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ADHS – Was bedeutet das?

ADHS zu haben bedeutet, dass bestimmte definierte Symptome auftreten. Diesen Symptomen können unterschiedliche Ursachen zugrunde liegen. Die Abkürzung ADHS steht für AufmerksamkeitsDefizit- und HyperaktivitätsStörung. Teilweise liegen mehrere möglichen Ursachen für die Symptome gleichzeitig vor.

Das Krankheitsbild ADHS ist nicht neu. Bereits seit den 1930er-Jahren findet sich die Bezeichnung „Hyperkinetisches Syndrom“. Teilweise ist sie auch heute noch in Deutschland gebräuchlich. Selbst in dem Kinderbuch „Der Struwwelpeter“ des Frankfurter Arzt und Psychiater Heinrich Hoffmann findet es sich in der Geschichte des „Zappelphilipp“ wieder.

Zu den klassischen Hauptsymptomen von ADHS zählen:

  • Aufmerksamkeits- und Konzentrationsstörungen
  • Impulsivität
  • Hyperaktivität

Auch das Krankheitsbild ohne Hyperaktivität ist bekannt. Dabei handelt es sich um die sogenannten Träumerle-Kinder. Man spricht hier von ADS (AufmerksamkeitsDefizitStörung). Die Ausprägung der Symptome ist bei dieser Variante etwas anders gelagert.

ADHS - Was bedeutet das?

Aber was bedeutet ADHS jetzt genau?

ADHS zu haben bedeutet in erster Linie, dass das Gehirn etwas anders funktioniert, als bei anderen.  Strömen Reize von außen auf einen ADHS’ler ein, können diese nicht gefiltert werden und werden somit alle als gleich wichtig und gleichwertig wahrgenommen. Alltagsgeräusche, die normalerweise einfach von unserem Hirn ignoriert werden, wie zum Beispiel die tickende Uhr, erhalten die gleiche Aufmerksamkeit wie die Aufgabe, um die man sich eigentlich kümmern möchte.

Um die Bedeutung von ADHS und das Verhalten der Betroffenen im täglichen Leben besser verstehen zu können, nehmen wir die einzelnen Symptome etwas genauer unter die Lupe.

Aufmerksamkeits- und Konzentrationsstörungen

Die betroffenen Kinder können die Aufmerksamkeit bei der Erledigung von Aufgaben nicht aufrechthalten. Die Aufmerksamkeitsspanne liegt bei wenigen Minuten. Die Erledigung der Hausaufgaben wird dadurch oft zur Qual für Kind und Eltern. Die Kinder sind unaufmerksam gegenüber Details und machen häufig Sorgfalts- und Flüchtigkeitsfehler. Ordentliche Mappenführung? Fehlanzeige! Scheinbar hören die Kinder nicht, was ihnen gesagt wird. Eltern haben das Gefühl, das Kind hört überhaupt nicht zu. Erklärungen kann nicht gefolgt werden. Somit können sie ihre Pflichten meist nicht problemlos erfüllen. Die Organisation von Aufgaben und Aktivitäten fällt den Kindern schwer. Vieles wird begonnen, wenig  zu Ende gebracht. Wichtige Gegenstände, wie Schlüssel, Fahrkarte, Portemonnaie, werden immer wieder verloren. Darüber hinaus werden die Kinder von äußeren Reizen und Sinneswahrnehmungen jedweder Art abgelenkt. Sie sind oft vergesslich.

Impulsivität

Die betroffenen Kinder können das Ende einer Frage nicht abwarten und platzen häufig mit der Antwort heraus. Sie antworten oft unüberlegt. Den Kindern fällt es allgemein schwer zu warten oder abzuwarten, bis sie an der Reihe sind. Häufig stören oder unterbrechen sie andere und reden exzessiv. Sie sind wechselnden Gefühlsschwankungen unterworfen und handeln unüberlegt.

Hyperaktivität

Die betroffenen Kinder sind unruhig, winden sich am Platz oder fuchteln mit Händen und Füßen. Sie stehen vom Platz auf, auch wenn es nicht erlaubt ist und laufen ständig herum oder klettern exzessiv. Oft sind die Kinder unnötig laut beim Spielen.

Bei der Träumerle-Form ADS sitzen die Kinder oft und starren vor sich hin oder blicken ungerichtet in die Ferne. Sie sind eher still und erscheinen den Erwachsenen „unauffällig“, da sie nicht wie die Kinder, die unter der hyperaktiven Form leiden, unangenehm auffallen. Nichtsdestotrotz haben sie die gleichen Schwierigkeiten bspw. dem Unterricht zu folgen und ihre Aufmerksamkeit zu fokussieren.

Die Diagnose

Die oben beschriebenen Symptome definieren das Krankheitsbild ADHS nach der sogenannten ICD-10, einer internationalen statistischen Klassifikation von Krankheiten und verwandten Gesundheitsproblemen. Bestehen die meisten der beschriebenen Symptome länger als 6 Monate, treten in mehreren Lebensbereichen auf und sind derart massiv , dass sie einen Leidensdruck im privaten Umfeld oder in der Schule mit sich bringen, ist ADHS anzunehmen. Darüber hinaus gilt nach jetzigen Diagnosekriterien der Beginn der Problematik vor dem 7. Lebensjahr. Die entsprechende Diagnose ADHS wird beim Facharzt gestellt. Das ist in der Regel ein Kinder- und Jugendpsychiater bzw. Neurologe.

Unabhängig von der oben erwähnten ICD-10, gibt es noch weiter Symptome, die mit ADHS einhergehen können und die Diagnose untermauern. So sind einige ADHS’ler mitunter auch aggressiv. Kinder mit ADS hingegen sind häufig langsam, sprechen leise, sind sehr empfindlich und weinerlich, spielen am liebsten allein, sind ängstlich und zurückgezogen. Beiden gemeinsam sind die niedrige Frustrationsschwelle, das schlechte Kurzzeitgedächtnis, eine gestörte Feinmotorik und extrem langsames Arbeiten.

Ob bei ADHS oder ADS eine Behandlung notwendig ist, hängt vom Schweregrad und der Ausprägung der Symptome ab. Die Therapie ist von Kind zu Kind individuell und hängt auch vom persönlichen Leidensdruck ab.

 

ADHS zu haben, bedeutet auch, positive Eigenschaften zu haben!

Kinder mit ADHS nehmen mehr wahr als andere. Dadurch können sie Gefahrensituationen schnell erkennen und klug reagieren. Was in der Schule oder bei den Hausaufgaben eher ein Nachteil ist, ist hier ein großer Vorteil. Sie nehmen allgemein mehr Details wahr, als andere Menschen.

Ehrlichkeit ist Kindern mit ADHS sehr wichtig. Sie haben ein gutes Gespür dafür, ob jemand ehrlich zu ihnen ist. Oft wissen sie auch, wenn sie selbst einen Fehler gemacht haben und ihr Angebot, es in Zukunft besser zu machen, ist ernst gemeint. Sie sind kaum nachtragend und können schnell verzeihen.

Kinder mit ADHS sind sehr hilfsbereit, manchmal sogar dann, wenn ihnen ein Nachteil dadurch entsteht. Sie würden jederzeit einem Klassenkameraden während einer Klassenarbeit einen Stift ausleihen, ohne an die Folgen zu denken. Sie helfen selbst dann, wenn sie damit in den Verdacht geraten zu schummeln. Allerdings helfen sie nur dann gerne, wenn sie Lust dazu haben.

ADHS’ler haben ihren eigenen Kopf und lassen sich ungern vorschreiben, was sie tun sollen. Deshalb machen sie nicht jeden Unfug  von anderen mit. Sie entscheiden selber, was sie tun und was nicht. In der Schule ist das eher von Nachteil.

ADHS zu haben, bedeutet auch keine Angst davor zu haben, Verantwortung zu übernehmen. Wo andere sich vor der Verantwortung scheuen, sind ADHS’ler zur Stelle.

Sie haben immer viele tolle Ideen. Einige davon sind richtig gut, andere eher nicht. Manche sind auch nicht alleine umsetzbar oder das eigene Durchhaltevermögen reicht für die Umsetzung nicht aus. Viele Erfinder, Forscher und Entdecker waren ADHS‘ler. Sie hatten Ideen, die anderen Menschen nie eingefallen wären.

Kinder mit ADHS wollen alles sofort machen. Und wenn sie Interesse an einer Aufgabe haben, können sie sich völlig darauf fokussieren. Sofort damit anzufangen gibt ihnen häufig den nötigen Schwung, um die Arbeit an der Aufgabe durchzuhalten. Auch wenn Kinder mit ADHS selbst kreativ sein dürfen, können sie sich gut darauf konzentrieren.

ADHS zu haben bedeutet auch zu sagen, was man denkt und meint. Dadurch wissen andere immer genau, woran sie sind. Das macht glaubwürdig. Allerdings platzen sie auch häufig mit ihren Ansichten heraus, ohne darüber nachzudenken, z.B. wenn sie sich über etwas aufregen.

 

Die Bedeutung von ADHS bei Jugendlichen und im Erwachsenenalter

Früher ging man davon aus, dass ADHS nur bei Kindern auftritt und sich mit zunehmendem Alter „verwächst“. Heute ist bekannt, dass ADHS auch noch bei Jugendlichen und Erwachsenen vorkommt. Die Symptome verändern sich allerdings mit zunehmendem Alter. Einige sind nicht mehr so ausgeprägt, was die Diagnose erschwert. Beispielsweise ist die beim Kind bestehende Hyperaktivität kaum bis gar nicht mehr vorhanden. Vielmehr verspüren die älteren Betroffenen eine innere Unruhe.   Im Erwachsenenalter besteht noch in ca. 30 % der Fälle eine ADHS-Symptomatik.

 

Was bedeutet es aus medizinischer Sicht ADHS zu haben?

Aus medizinischer Sicht bedeutet ADHS, u.a. eine Fehlregulation des Botenstoffs Dopamin im Frontalhirn zu haben. Dieser Botenstoff ist der Signalüberträger zwischen den einzelnen Nervenzellen. Bei ADHS ist nicht genug Dopamin für die Signalübertragung vorhanden. Die Ursachen dafür können unterschiedlich sein. Im klassischen Fall wird zu viel Dopamin in die erste Nervenzelle zurückgepumpt. So erreicht nicht  genug Dopamin die andere Nervenzelle. Das Signal kann nicht übertragen werden.  Die gängige schulmedizinische Behandlung besteht in der Gabe eines Medikamentes mit dem Wirkstoff Methylphenidat.

Es ist aber auch möglich, dass aufgrund einer Stoffwechselstörung, der sogenannten Kryptopyrrolurie, ein Mangel an wichtigen Mineralstoffen, Spurenelementen, Vitaminen und Fettsäuren im Körper herrscht, die für die Bildung von Dopamin nötig sind. Das zu ermitteln, gibt es relativ einfache und unkomplizierte Testverfahren. Die Therapie besteht hier in der Substitution der fehlenden Stoffe. Dabei kann die Behandlung oral oder per Infusion erfolgen.

Ferner kann eine Fehlregulation der Augen entsprechende ADHS-Symptome auslösen bzw. verstärken. Eine Untersuchung beim speziell ausgebildeten Optiker oder Augenarzt kann hier Klarheit bringen, der dann gegebenenfalls die Diagnose Winkelfehlsichtigkeit stellt. Die Behandlung erfolgt durch das Tragen einer Brille mit sogenannten Prismengläsern.

In einigen Fällen liegt nicht nur eine Ursache zugrunde. So kann beispielsweise neben der Fehlregulation im Frontalhirn zusätzlich eine Stoffwechselstörung  vorliegen. Unter Umständen kann in einem solchen Fall, durch die Behandlung der Stoffwechselstörung, Methylphenidat niedriger dosiert werden.

Neben der Behandlung der Ursache, kann eine begleitende Therapie, die allein der Linderung der Symptome dient, auf das Verhalten der Betroffenen Einfluss nehmen. Hier gibt es mehrere Möglichkeiten, wie beispielsweise Akupunktur oder Entspannungsübungen. Auch dadurch besteht eventuell die Möglichkeit, weniger Methylphenidat einsetzen zu müssen.

 

Januar 2018

 

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